"Es ist besser, eine Kerze anzuzünden als über die Dunkelheit zu klagen"

Erste Mitglieder- und Patenreise nach Liberia

 

18. - 25. Februar 2010

 

 

Montag, 22.02.2010
Hospitation in der MTA, Welthungerhilfe, UN-World Food Programme

 

Nach dem Frühstück brechen wir wieder auf zum Waisenhaus. Heute werden wir einen Einblick in den Schulunterricht bekommen. In den verschiedenen Klassenzimmern werden wir höflich von allen Kindern mit einem Besuchergruß willkommen geheißen. Der Unterricht findet vorwiegend an der Tafel statt. Schulbücher werden kaum genutzt. Die Kinder sind wissbegierig und stolz, dass sie zur Schule gehen können. Sie gehören zu den 50% der liberianischen Kinder, die diese Möglichkeit bekommen. Auf dem Stundenplan stehen heute morgen Englisch, Mathematik, Schreiben und Geschichte. Wir besuchen auch die ganz Kleinen, die Buchstaben und Zahlen lernen. Jeder kommt nach und nach an die Tafel und schreibt die Zahlen und Buchstaben nach einem Muster an der Tafel ab.

 

Nach der Hospitation teilen wir uns auf, denn es gibt gute Neuigkeiten: unsere verlorenen 8 Koffer sind tatsächlich mit dem Flugzeug aus Casablanca angekommen. Ein Teil von uns holt die Koffer an der Geschäftsstelle der Royal Air Maroc, eine Patin geht mit Ihrem Patenkind ins Krankenhaus, da eine Untersuchung ansteht, und Maximilian ist wie immer aktiv bei den Behörden, um die Freigabe der Kisten mit der Solaranlage zu erreichen. Zum Mittag treffen wir uns alle wieder.

 

Um 14 Uhr erwartet uns Bernd Schwenk, der Regionaldirektor der Welthungerhilfe in Liberia. Er informiert uns über die Tätigkeit der Welthungerhilfe, dazu gehören Agrarprogramme (u.a. Reisanbau in Feuchtgebieten), Fischzuchtprogramme und die Zusammenarbeit mit der deutschen Organisation „Medica Mondiale e.V.“, die sich gegen Gewalt gegen Frauen einsetzt. Die Gründerin von „Medica Mondiale e.V.“, Monika Hauser, hat für ihre Arbeit in 2008 den alternativen Nobelpreis erhalten.
Wir erfahren auch von den schwierigen Seiten und Fehlschlägen der Entwicklungshilfe. Die Verteilung von 300 000 Moskitonetzen 2008 im Auftrag der dt. Regierung an die Liberianische Bevölkerung war ein gut gemeintes Projekt, doch ohne die Einbettung in eine Aufklärungskampagne über Sinn, Hintergründe und Zweck eines solchen Geschenkes wird der positive Nutzen unter dem Strich nicht den Erwartungen gerecht. Die Netze wurden teilweise als Fußballnetze, Fischfangnetze und Schwämme genutzt. Teilweise waren sie auch einfach zu groß für die meisten Schlafräume eines liberianischen Durchschnittszimmers. Aus solchen Fehlentwicklungen muss für die Zukunft gelernt werden. Das Fazit ist, dass eine genaue Bedarfsanalyse vor einer solchen Verteilungsaktion zwingend notwendig ist.
Aktuell befindet sich ein weiteres Projekt der Welthungerhilfe in der Startphase: die städtische Landwirtschaft in Liberia soll gefördert und die nutzbare Fläche dafür verbessert werden. Gleichzeitig soll damit ein Schutz vor Überbauung und Umweltverschmutzung der Flächen erfolgen, und damit Einkommensmöglichkeiten für die Stadtbevölkerung geschaffen werden.

 

Unmittelbar nach dem Termin bei der Welthungerhilfe folgt ein Besuch beim World Food Programm der Vereinten Nationen. Wir werden vom Repräsentanten, Louis Imbleau und drei weiteren Mitarbeitern im Konferenzraum empfangen. Begeistert berichtet uns Louis Imbleau von den Inhalten des World Food Programms in Liberia. Ein großes Problem besteht darin, dass das Hauptnahrungsmittel Reis importiert wird. Der liberianische Reis setzt sich bei der Bevölkerung nicht durch, da er qualitativ nicht mit dem Importreis mithalten kann und aufgrund schlechter Reinigung kleine Steine enthält. Das Risiko, dass beim Essen die Zähne Schaden nehmen, ist groß und somit ist der liberianische Reis unbeliebt.
Hinzu kommt die katastrophale Infrastruktur. Liberia verfügt kaum über nutzbare Straßen. Die Straßen, die ins Landesinnere zu den fruchtbaren Äckern führen, sind in der Regel Sandpisten. Während der 8 Monate dauernden Regenzeit (April bis November) wäscht das Wasser den Boden aus und hinterlässt flussbettähnliche Rillen die fast unpassierbar werden. Das Risiko eines Autoachsenbruchs oder eines Feststeckens im Schlamm ist groß. Somit haben die Bauern im Landesinneren keinen Zugang zu anderen Märkten und die Felder werden deshalb häufig nur für den Eigenbedarf genutzt. Eine Überproduktion für einen Verkauf in die Städte erfolgt deshalb kaum. Dies zu ändern hat sich das World Food Programm, neben anderen Maßnahmen, vorgenommen.

 

Am späten Nachmittag fahren wir wieder zum Waisenhaus. Die Köchin Cecilia hat für uns gekocht. Es gibt Reis mit spinatähnlich zubereitetem Kartoffelgrün und scharfer Soße mit zerkleinertem Fisch. Es schmeckt gut und zum Glück ist genug Reis da, um die Schärfe abzuschwächen. Die Männer in unserer Runde sind bestens gelaunt und bieten, nachdem wir beim Essen bereits die Musikcharts der letzten 20 Jahre anhören durften, den Kinder zum Abschied eine Makarena - Tanzdarbietung. Die Kids sind begeistert.

 

Weiter zu Tag 6 (23. Februar 2010)

 

DOKUMENTE zur PATENREISE
Einladung (PDF)
Anmeldeformular (PDF)

 

Reisebericht als Download (PDF)

 

REISEBERICHT nach Tagen
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23. Februar 2010
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25. Februar 2010

 

FOTO-GALERIEN

 

Einweihung der High School

 


 

Übergabe der Patengeschenke