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Samstag, 20.02.2010 Arbeit der UN in Liberia – Liberian National Police (NLP), Waisenhausbesuch Auch heute erwartet uns ein spannender Tag voller Information über Liberia und die Arbeit der Vereinten Nationen. Nach dem Frühstück fahren wir zur Training Academy der NLP (National Liberian Police). Der deutsche UN-Polizist Andreas hat sich die Zeit genommen, uns über die Arbeit der deutschen Polizei im Rahmen der UNMIL zu informieren und uns das Ausbildungsgelände der NLP zu zeigen. Ziel der UNMIL ist die Unterstützung des Friedensprozesses und des Wiederaufbaus einer funktionsfähigen Polizei in Liberia unter Beachtung internationaler, demokratischer Standards (mehr unter www.unmil.org). Die Aufgaben des internationalen Polizeikontingents sind u.a. die Ausbildung von Polizeianwärtern an der Polizeiakademie, Beratung bei der strategischen Planung der NLP und Mitarbeit im Donor Aid Projekt (Überwachung des Einsatzes von Projekt- und Spendengeldern der Geberländer). Fünf deutsche Polizisten sind für diese Aufgaben als deutsches Polizeikontingent nach Liberia entsandt.
Die Ausbildung ist unter den klimatischen Bedingungen eine große körperliche Herausforderung, sowohl für die ausländischen UN-Ausbilder, als auch für die liberianischen Rekruten. Das Thema Korruption wird auch hier angesprochen. Die Bezahlung der Polizei erfolgt unregelmäßig und so bleibt in Monaten ohne Gehalt einigen Polizisten kaum etwas anderes übrig, als ihre Position zu nutzen, um das notwendige Geld zur Ernährung der Familie zusammen zu bekommen. In welch fatalen Kreislauf eine Bevölkerung in einem Land mit einer darniederliegenden Wirtschaftskraft und einem von Auslandsschulden geplagten Staatshaushalt gerät, wird an diesem Sachverhalt deutlich. Die aktuelle Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf arbeitet mit aller Kraft an der Lösung dieser Probleme, doch es wird noch viel Zeit brauchen. Die Folgen von fast 20 Jahren Bürgerkrieg und Staatsverschuldung durch Misswirtschaft sind nicht innerhalb weniger Jahre zu beseitigen Mit Andreas besichtigen wir die Seminarräume und die Unterkünfte der Rekruten, wobei es hier sowohl Zelt, als auch Hausunterkünfte gibt. Wir sehen die Küche und Kantine, die Waschküche und die Gemeinschaftsanlage für geselliges Beisammensein der Rekruten. Anschließend fahren wir kurz zum Markt, damit sich unsere Mitreisenden, denen die Koffer verloren gegangen sind, wieder mit den Dingen des täglichen Bedarfs und Kleidung eindecken können. Das Mittagessen nehmen wir wieder an der UN ein, wo auch unsere Folgetermine auf uns warten. Die isländische UN-Polizistin, Gná, informiert uns über die deutschen Projekte der UN. Dazu gehört, neben der Ausbildung der Rekruten der Bau von Polizeistationen in Monrovia und im Landesinneren. Mit zwei deutschen Polizisten besichtigen wir anschließend zwei Polizeistationen in Monrovia. Die Erste befindet sich noch im Rohbau, doch sind die Polizisten schon jetzt begeistert von diesem Bauprojekt und der sehr guten Arbeitsleistung und – Einstellung der Arbeiter. Die liberianischen Bauarbeiter sind ebenfalls sehr stolz auf ihre Arbeit. Auch hier empfängt uns von Seiten der Liberianer Dankbarkeit und Wertschätzung für die Hilfe, in diesem Fall der internationalen Gemeinschaft. Danach fahren wir weiter zur einer Polizeistation in Monrovia.
In diesergibt es zwei Gefängniszellen, eine für Frauen und Kinder und eine für Männer. Wir erfahren, dass auch hier alltägliche Probleme durch die unzuverlässige Versorgung mit Gebrauchsmaterialien und des fehlenden Budgets bestehen. Teilweise sind keine Hefte vorhanden, um die Gefangeneingänge zu erfassen. Vorschrift ist jedoch, dass jemand maximal 24h in der Gefängniszelle verbleiben darf und dann umgehend dem Untersuchungsrichter vorzustellen ist. Dies einzuhalten wird bei fehlender Dokumentation jedoch schwierig. Die Versorgung der Gefangenen mit Essen erfolgt häufig aus dem privaten Einkommen der Polizisten, gleiches gilt für Reparaturen. Beispielsweise war das Türschloss zur Gefängniszelle der Männer defekt und da von den Behörden keine Unterstützung kam, musste der Chef der Station seine privaten Kontakte und sein persönliches Einkommen bemühen, um hier Abhilfe zu schaffen. Das liberianische Leben ist voll von Improvisation, um dem ständigen Mangel an für uns selbstverständlichen Standards und Prozessen zu begegnen.
Den Nachmittag verbringen wir wieder am Waisenhaus. Schon auf dem Weg dahin laufen die Schulkinder aus der umliegenden Umgebung unserem Bus nach und winken uns fröhlich zu. Wir verbringen die Zeit am Waisenhaus mit Spielen und Erzählen.
Weiter zu Tag 4 (21. Februar 2010)
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