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Freitag, 19.02.2010 Dt. Botschaft, UN-Gelände, Markt, Waisenhausbesuch Zum Frühstück gibt es Tee und Kaffee, Toast, Rührei, Marmelade und Ananas. So gestärkt beginnen wir neugierig und erwartungsvoll den Tag. Unser erster Termin heute führt uns in die deutsche Botschaft. Auf der Fahrt erhalten wir auch zum ersten Mal einen Eindruck von Monrovia, von welchem wir in der vorherigen Nacht nichts erkennen konnten. Ausgebrannte Häuser wechseln sich mit einfachen Neubauten ab, am Straßenrand werden viele Waren verkauft. Vor allem die vielen Autos überraschen uns und in der nächsten Woche werden wir noch oft im Stau stehen. Die deutsche Botschafterin, Ilse Lindemann-Macha.. hat sich die Zeit genommen, uns zu empfangen. Sie berichtet uns von ihren Erfahrungen in Liberia und erzählt, dass der Aufbau sich schwierig und langsam gestaltet . Benötigt werden mehr Zeit für den Aufbau und mehr Geld für die Infrastruktur, und die Stromversorgung. Sie berichtet auch, dass ein großes Wasserkraftwerk im Krieg zerstört wurde und seitdem immer noch nicht wieder aufgebaut werden konnte. Für den Straßenbau stellt vor allem die Weltbank Gelder zur Verfügung während für den Aufbau des Wasserkraftwerkes noch nach einem Investor gesucht wird. Wir erfahren auch, dass Korruption weiterhin ein großes Problem darstellt. Grund ist in den meisten fällen nicht die Gier nach persönlicher Bereicherung, sondern häufig reine Überlebensnotwendigkeit: Die Gehälter der Staatsbediensteten sind zu niedrig und werden unregelmäßig ausgezahlt, da die Regierung nicht genügend Geld zur Verfügung hat. Es gibt kaum Steuereinnahmen und auf dem Staatshaushalt lastet eine historisch bedingte, hohe Schuldenlast. Nach einem gemeinsamen Foto verabschieden wir uns wieder.
Weiter geht’s zum Hauptquartier der UNMIL (United Nations Mission in Liberia), wo wir von dem deutschen UN-Polizist Andreas Frische empfangen werden Richard Pöschl hat dafür gesorgt, dass wir temporäre UN-Besucherausweise erhalten. Damit können wir jederzeit das UN-Gelände betreten und auch in der UN-Kantine zu Mittag essen.. Es ist spannend, die Präsenz und Arbeit der internationalen Gemeinschaft so nah erleben zu können,. Nach dem Mittag folgt ein kurzer Einkaufsbummel durch die Stadt Trotz fehlender eigener Betriebe gibt es in Monrovia tatsächlich alles, von Colgate Total bis Coca Cola. Die meisten Waren werden importiert, vieles kommt aus China. Es gibt teurere Geschäfte, in denen eher Ausländer einkaufen, während der typische liberianische Handel auf Schubkarren stattfindet. Diese sind auf den vielfach kaputten Straßen von Monrovia das beste Transportmittel. Und auch dort bekommt man alles, von der Zahnpasta über Medikamente, Kosmetika, Schulhefte, Stoffe und vieles mehr. Doch es scheint sehr viel mehr Verkäufer als Käufer zu geben
Am Nachmittag kommt schließlich der große Moment, auf den wir den ganzen Tag schon gespannt gewartet haben die erste Fahrt zur Monrovia Training Academy. Auf dem Weg zu „unserem“ Waisenhaus wird uns ein überwältigender Empfang bereitet. Alle 60 Kinder und die Lehrer begrüßen uns mit Gesang und selbst gestalteten Transparenten. Singend werden wir den 20-minütigen Weg zum Waisenhaus begleitet. Der Schuldirektor, Christopher Beah, spricht dem Verein seine tiefe Dankbarkeit aus. Seine Worte sind:“ Ohne die Unterstützung des Vereins, wäre hier nichts, keine Hoffnung, keine Schulbildung... wir geben den Kindern Hoffnung und eine Zukunft“. Diese Wertschätzung der Vereinsarbeit berührt und verbindet.
Danach werden wir zur Palaverhütte geführt, ein Rundbau in der Mitte des Waisenhausgeländes der zum miteinander „palavern“ gedacht ist. Jeder von uns ist umringt von einer Traube von Kindern mit neugierigen und strahlenden Gesichtern. In der Menge erkennen sich die Paten und „Ihre“ Schützlinge. Beide Seiten kannten sich bisher nur von Fotos und Briefen und freuen sich nun ungemein. Das Gefühl, sich auf einem anderen Kontinent endlich persönlich gegenüber zu stehen und kennen zu lernen ist für uns unbeschreiblich. Gleiches gilt für all die anderen Kinder, viele von Ihnen erkennen wir wieder, weil wir sie schon auf Fotos gesehen haben.
Anschließend besichtigen wir das neue Highschool - Gebäude. Maximilian Meindl, der vor Ort für den Aufbau der Solaranlage zuständig ist, prüft mit professionellem Blick, ob die Dachneigung für die Solarstation korrekt ist. Es war nicht einfach, über zwei Kontinente via Internet und Telefon die exakten Anweisungen ohne Missverständnisse, die bei einer Kommunikation ohne persönliche Anwesenheit schnell auftreten können, zu übermitteln. Maximilian ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Nun müssen nur noch die Kisten mit der Solaranlage vom Hafen zum Schulgelände gelangen, das klingt jedoch einfacher als es sein wird, da bis dahin noch etliche Behördengänge anstehen werden.
Ein schöner Tag geht zur Neige, den wir mit einem Abendessen im „Be First“, einem pakistanischen Restaurant neben dem Lutheran Guesthouse mit Spezialitäten aus Bangladesch abschließen
Weiter zu Tag 3 (20. Februar 2010)
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